


Der Februar war einer der arbeits- und ereignisreichsten Monate meines Freiwilligendienstes. Neben der weiteren Entwicklung des Gartens nahm vor allem das Bienenprojekt einen großen Teil meiner Zeit ein. Gleichzeitig ergaben sich viele Gelegenheiten, Wissen an andere weiterzugeben und gemeinsam mit Mitarbeitenden des MDT neue Erfahrungen zu sammeln.

Zu Beginn des Monats konnte ich die ersten größeren Ernten aus dem MDT Teaching Garden einbringen. Besonders erfreulich waren die ersten Kürbisse, von denen einige ein Gewicht von etwa 15kg erreichten. Darüber hinaus konnten wir Flaschenkürbisse, Rote Bete, Zwiebeln und Spinat ernten.





Kurz darauf verteilte ich gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des MDT einen Teil der Ernte an Waisenkinder aus der Gemeinde.
Dieser Moment war für mich besonders bedeutend, da er eines der ursprünglichen Ziele des Gartens sichtbar machte.



In den folgenden Tagen unterstützte ich außerdem die Teaching Farm von Africa’s Gift. Dort half ich beim Mulchen der Polytunnel, um die Bodenqualität langfristig zu verbessern. Gemeinsam mit Baholo, dem örtlichen Gärtner, arbeitete ich außerdem daran, verschiedene Gemüsesorten wie Flaschenkürbisse, Tomaten, Mais, Paprika und Spinat für den Verkauf an die Lodge vorzubereiten.

Zusätzlich half ich weiterhin bei der Verarbeitung von Agavenfasern für die Eco-Cookbags. Die Pflanzenreste wurden anschließend kompostiert, sodass möglichst wenig Material verschwendet wurde.
Am Abend beteiligten wir uns außerdem an der Verteilung gespendeter Kleidung innerhalb der Gemeinde:)
Zu Beginn der zweiten Woche führten Kompi und ich mehrere Waisenkinder durch den MDT Teaching Garden.

Dabei erklärten wir die Grundlagen von Permakultur, Hochbeeten und nachhaltiger Gemüseproduktion. Es machte mir viel Freude zu sehen, wie interessiert die Kinder waren und welche Fragen sie stellten.


Großen Respekt an Kompi, da ich selbst nur wenig erzählen könnte, da die Sprachbarriere noch viel zu groß ist.
Der Schwerpunkt des Monats lag jedoch eindeutig auf dem Bienenprojekt.

Die zweite Woche im Februar war mit Abstand die beste Woche meines gesamten Freiwilligendienstes.
Der Montag begann stürmisch, nass und regnerisch. Gemeinsam mit Radik und Kompi erfuhren wir von einem Wildbienennest, das sich in einer kleinen Höhle auf einer abgelegenen Bergspitze befand. Ohne lange zu überlegen, luden wir unsere Ausrüstung ins Auto und machten uns auf den Weg.


Gemeinsam mit Kompi trug ich einen Bienenkasten den Berg hinauf bis auf etwa 2600 Meter Höhe. Als wir schließlich ankamen, konnte ich meinen Augen kaum glauben.
Vor uns befand sich ein riesiges Wildbienennest in einer kleinen Höhle. Die Honig- und Brutwaben waren bereits von außen sichtbar. Es war eines der beeindruckendsten Bienennester, die ich jemals gesehen habe.
Die Lage machte die Arbeit allerdings schwierig. Der Eingang der Höhle befand sich direkt an einem steilen Abhang. Um überhaupt an die Waben zu gelangen, musste ich mich auf die Zehenspitzen stellen und weit in die Höhle hineingreifen. Der Boden war durch den Regen aufgeweicht und rutschig. Ein Fehltritt hätte ernsthafte Folgen haben können.



Trotzdem überwog in diesem Moment die Faszination. Vor mir befand sich eine Kolonie mit schätzungsweise 60.000 Arbeiterinnen. Ich zog meinen Schutzanzug an, schloss den Schleier, zog Handschuhe über und entzündete den Smoker. Dann begann die Arbeit.
Langsam näherte ich mich dem Nest und entnahm die erste Wabe. Honig tropfte auf meine Hände und lief über meinen Arm. Noch bevor ich die Wabe in den Kasten setzen konnte, spürte ich mehrere stechende Schmerzen an beiden Beinen. Zunächst dachte ich, ich wäre in Dornen geraten, doch schnell wurde mir klar, dass Bienen durch meine Schuhe eingedrungen waren und sich unter meinem Anzug nach oben arbeiteten.
Innerhalb weniger Sekunden erhielt ich zahlreiche Stiche. Kurz darauf bemerkte ich weitere Bienen in meinem Schleier. Der Schmerz breitete sich schnell aus und ich bekam einen starken Adrenalinschub. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass die Situation ernst werden könnte. Weglaufen war keine Option, da ich mich direkt an einem steilen Hang befand.
Also blieb ich ruhig. Ich zog meinen Anzug tiefer über die Socken, kontrollierte die Verschlüsse erneut und versuchte, mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Mit dem steigenden Adrenalin trat der Schmerz zunächst in den Hintergrund.
Ich arbeitete weiter. Wabe für Wabe wurde aus dem Nest entnommen und in den Kasten gesetzt. Gleichzeitig setzte ich den Smoker ein, um die Bienen zu beruhigen. Nach und nach verlagerte sich die Aufmerksamkeit der Kolonie auf die Brut und die Honigvorräte, sodass die Situation kontrollierbarer wurde.

Schließlich fand ich die Königin. Dies war der entscheidende Moment.
Ich setzte sie vorsichtig in eine Queen-Clip und sicherte sie im Kasten. Kurz darauf begann die Kolonie, sich am neuen Standort zu sammeln.
Erst als die Arbeit beendet war und mein Adrenalinspiegel langsam sank, spürte ich die volle Wirkung der zahlreichen Stiche. Trotzdem war ich unglaublich glücklich. Die Umsiedlung war gelungen.
Ich habe mich selten so konzentriert, so gefordert und gleichzeitig so lebendig gefühlt wie an diesem Tag.

Ehrlich gesagt war ich nach der erfolgreichen Umsiedlung einfach glücklich. Die Arbeit war körperlich anstrengend, ich wurde mehrfach gestochen und die Bedingungen waren alles andere als einfach, trotzdem hatte ich währenddessen unglaublich viel Spaß. Die Mischung aus Abenteuer und Natur war genau die Art von Herausforderung, die ich mir von meinem Freiwilligendienst erhofft hatte.
Zwei Tage später kehrten Kompi und ich zurück. Zu unserer Überraschung war der Kasten umgestürzt und mehrere Meter den Hang hinabgerutscht. Zwar blieb die Konstruktion selbst intakt, doch viele Waben waren beschädigt oder bereits von Ameisen befallen. Die Kolonie hatte sich inzwischen als Schwarm an einem nahegelegenen Baum gesammelt.
Nach einiger Arbeit gelang es uns, den Schwarm erneut einzufangen und in die Box zu setzen. Anschließend transportierten wir das Volk über mehrere Kilometer zurück zur Teaching Farm. Die körperliche Belastung dieser Aktion gehörte zu den anspruchsvollsten Aufgaben, die ich bisher während meines Freiwilligendienstes erlebt habe.

In der dritten Woche nahmen Radik und ich außerdem an einem Seminar teil, das gemeinsam mit Peter an der Lodge durchgeführt wurde. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, über unsere bisherigen Erfahrungen, Herausforderungen und Projekte im Freiwilligendienst zu sprechen, vor allem über die Nachhaltigkeit über die getätigte Arbeit.
Peter spielt für uns beide eine besondere Rolle während unseres Aufenthalts in Lesotho. Er kennt sowohl die Projekte als auch die Herausforderungen des Lebens vor Ort sehr gut. Besonders schätzen wir seine offene Art, seine Hilfsbereitschaft und sein ehrliches Interesse daran, wie es uns geht.



Das Seminar selbst war deutlich lockerer gestaltet als viele andere Veranstaltungen, die wir bisher besucht haben. Neben den inhaltlichen Themen blieb viel Raum für Gespräche, Fragen und den Austausch persönlicher Erfahrungen. Dadurch entstand eine angenehme Atmosphäre.
In der letzten Woche bat ich das MDT um finanzielle Unterstützung, um weitere Bienenvölker für das Projekt zu erwerben. Über einen Kontakt in der Nähe von Thaba Bosiu hatte ich die Möglichkeit, vier große Kolonien zu einem aus meiner Sicht sehr fairen Preis zu kaufen. Da wir die vorhandenen Kästen möglichst noch vor Ende des Sommers besiedeln wollten, war dies eine wichtige Gelegenheit.

Die Planung gestaltete sich jedoch schwierig. Mehrfach wurde der Termin verschoben und zunächst wurde mir zugesichert, dass das MDT das Vorhaben unterstützen würde. Als der Tag schließlich gekommen war und die Reise unmittelbar bevorstand, stellte sich jedoch heraus, dass die Finanzierung nicht wie erwartet zur Verfügung stand.

Glücklicherweise konnte Peter kurzfristig einspringen und die Kosten zunächst übernehmen. Ohne diese Hilfe wäre die Reise wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Rückblickend hat mir diese Situation gezeigt, dass Projekte oft nicht nur an fachlichen Herausforderungen scheitern oder wachsen, sondern auch von Kommunikation, Planung und verlässlichen Absprachen abhängen.

Gemeinsam mit Kompi und Radik besuchte ich daraufhin einen örtlichen Imker in der Nähe von Thaba Bosiu. Vor Ort konnten wir mehrere große Bienenvölker begutachten und schließlich übernehmen. Obwohl einige Kolonien von Varroamilben und Bienenkäfern betroffen waren, stellte dies für mich kein unlösbares Problem dar, da ich bereits Erfahrungen im Umgang mit diesen Schädlingen sammeln konnte.


Nach aufwendiger Vorbereitung transportierten wir die Völker zur Teaching Farm und integrierten sie in das bestehende Projekt. Dadurch konnten wir die Anzahl der Bienenvölker deutlich erhöhen und einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung des Vorhabens machen.
Am Ende des Monats führte uns ein weiterer Hinweis zu einer Höhle in der Nähe der Teaching Farm, in der sich ebenfalls ein Bienennest befinden sollte. Nach einer längeren Wanderung stellte sich jedoch heraus, dass das Nest aufgrund seiner Lage nicht sicher erreichbar war. Auch wenn die Bergung letztlich nicht möglich war, war die Reise dennoch interessant und zeigte erneut, wie schön die Natur des Malealea Valleys ist.

Neben der Arbeit gab es auch einige schöne Momente im Alltag. Besonders gefreut hat mich die Einladung der Familie unserer Vermieterin, mit ihnen gemeinsam essen zu gehen.




Der Februar war für mich ein Monat voller Herausforderungen und außergewöhnlicher Erfahrungen. Besonders das Bienenprojekt entwickelte sich deutlich schneller als erwartet und nimmt einen immer größeren Stellenwert in meinem Alltag ein.

Gleichzeitig zeigte mir dieser Monat, dass Projektarbeit oft mit Rückschlägen verbunden ist. Umgestürzte Kästen, mangelnder Transport und organisatorische Probleme erforderten immer wieder neue Lösungen für mich. Dennoch habe ich gelernt, flexibel zu bleiben und auch unter ungewohnten Bedingungen Entscheidungen zu treffen.
Besonders stolz macht mich, dass die ersten Ernten des Gartens direkt der Gemeinschaft zugutekamen und dass das Bienenprojekt inzwischen mehrere aktive Völker umfasst.


Rückblickend war der Februar wahrscheinlich der intensivste Monat meines bisherigen Freiwilligendienstes. Er hat mir viele neue Erfahrungen ermöglicht und mir gezeigt, wie viel durch Eigeninitiative erreicht werden kann.








