
Der zweite Monat in Lesotho verlief deutlich arbeitsintensiver als der erste. Während ich mich im September noch hauptsächlich eingewöhnt habe, begann ich im Oktober, eigene Projekte zu übernehmen und mehr Verantwortung in der Arbeit beim MDT zu tragen. Die erste Woche verbrachte ich weiterhin mit der Reparatur der Computer im Community Center. Dabei stellten wir fest, dass viele Geräte auf Windows 11 aktualisiert worden waren, obwohl sie ursprünglich nur für Windows 10 ausgelegt waren. Das führte zu deutlichen Leistungsproblemen. Gemeinsam versuchten wir Lösungen zu finden. Trotz der technischen Schwierigkeiten war es motivierend zu sehen, dass Khotso, der Projektleiter des MDT, unsere Arbeit sehr schätzt und stolz darauf ist, wie wir uns inzwischen in den Alltag eingefunden haben.
Mitten in dieser Woche entschied ich mich, zusätzlich im Kleingarten des MDT mitzuarbeiten, der über längere Zeit vernachlässigt worden war.

Kurz darauf traf Ken Dunn, der Gründer von Africa’s Gift, im Malealea Valley ein. Da ich bereits einige Wochen zuvor mit Agavenfasern experimentiert hatte, um ein alternatives Füllmaterial für Cookbags zu finden (zuvor wurden Hanfstängel verwendet), nutzte ich die Gelegenheit, meine Idee direkt mit ihm zu besprechen. Es war spannend, meine Beobachtungen zu teilen und zu merken, dass sie auf Interesse stießen. Ich war zu diesem Zeitpunkt neugierig, aber auch etwas unsicher, ob die Idee tatsächlich Potenzial haben würde.





Die Arbeit im Garten stellte sich als anstrengender heraus als gedacht. Zum ersten Mal in meinem Leben pflügte ich mit Kühen, da die Erde sehr verwurzelt war. Ich begann außerdem, Hochbeete aus Steinen, Schlamm und Stroh zu bauen. Diese körperliche Arbeit war herausfordernd, aber gerade auch erfüllend, da ich sichtbare Fortschritte machte und etwas eigenes aufbauen konnte… In der zweiten Woche schlossen wir gemeinsam mit Khotso die Visa-Beantragung endgültig ab. Er fuhr uns nach Maseru, wo wir nach längerer Wartezeit schließlich unsere Visa-Sticker erhielten, was ein Moment der Erleichterung war. Parallel dazu setzte ich die Arbeit im Kleingarten fort. Unterstützung bekam ich von einem Mitarbeiter des Teaching Gardens des MDT. Gemeinsam bauten wir mehrere neue Hochbeete und legten erste Pflanzflächen an. Wir kamen gut voran, mussten aber feststellen, dass noch zusätzliche Hilfe nötig sein wird, um das beschädigte Gewächshaus abzutragen und die restliche Erde weiter zu pflügen.






In der dritten Woche bekam mein Agavenprojekt eine unerwartete Aufmerksamkeit, Vertreter der UN sowie die britische Botschafterin für Lesotho besuchten die Cookbag-Initiative von Africa’s Gift. Anfangs standen sie dem Projekt eher skeptisch gegenüber und stellten viele kritische Fragen. Im Verlauf des Gesprächs wandelte sich die Haltung jedoch in Neugier und Interesse, besonders als klar wurde, dass die Verwendung von Agavenfasern auch lokal umsetzbar ist. Es war für mich ein besonderer Moment, da ich zum ersten Mal spürte, dass meine Idee einen Beitrag zu einem größeren Projekt leisten könnte.


In der vierten Woche arbeitete ich weiterhin im Garten. Ich baute zusätzliche Beete und begann, die ersten Samen zu pflanzen. Mein Ziel ist es, den Garten langfristig so zu gestalten, dass er Waisenkinder im Valley, die derzeit durch MDT mit Food Stamps unterstützt werden, direkt mit frischen lebensmitteln versorgen kann. Dabei liegt es mir besonders am Herzen, den Kindern zu zeigen, wie sie auch zuhause kleine Permakulturgärten anlegen und pflegen können.


An den Wochenenden verbrachte ich Zeit mit Dr. Krimmel. Es fühlte sich sehr gut an, einen Ansprechpartner zu haben, der sich persönlich um uns kümmert. Durch seine regelmäßigen Besuche entstand ein deutlich familiäreres Verhältnis, als man es von größeren Organisationen kennt, bei denen oft hunderte Freiwillige entsendet werden, ohne dass sich jemand individuell Zeit nimmt. Auch Khotso und Dr. Krimmel äußerten mehrfach ihre Zufriedenheit mit unserer Arbeit, insbesondere weil wir uns in zwei Bereiche eingebracht haben, die im Valley besonders wichtig sind: Ernährungssicherheit und digitale Bildung.



Gefühlsmäßig war dieser Monat sehr gemischt: Einerseits gab es Momente von Frustration und Erschöpfung, besonders bei der schweren Gartenarbeit oder der langsamen Visa-Bearbeitung. Andererseits überwogen für mich Zufriedenheit und Motivation, weil ich spürte, dass meine Arbeit sichtbare Ergebnisse zeigt und geschätzt wird. Besonders die Dankbarkeit der Menschen hier gibt mir das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können.


