
Der dritte Monat meines Freiwilligendienstes war geprägt von zunehmender Eigenverantwortung und der Weiterentwicklung eigener Projekte.



Während ich mich in den ersten Monaten vor allem eingearbeitet und orientiert habe, konnte ich nun verstärkt eigene Ideen umsetzen und gleichzeitig bestehende Projekte unterstützen. Besonders die Themen Nachhaltigkeit und lokale Wertschöpfung standen dabei im Mittelpunkt meiner Arbeit.

Zu Beginn des Monats hielt ich zwei Workshops zum Thema Agavenfasern. Ziel war es, Dorfbewohnern zu zeigen, wie die Fasern nachhaltig aus den Agavenblättern gewonnen und weiterverarbeitet werden können. Während der Workshops erklärte ich den gesamten Prozess der Fasergewinnung und ging auf die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit dem ätzenden Pflanzensaft ein.

Um die praktischen Möglichkeiten zu verdeutlichen, stellte ich vor den Teilnehmenden ein Seil aus Agavenfasern her. Zusätzlich zeigte ich Bilder von Produkten aus Mexiko, wo Agavenfasern traditionell für die Herstellung von Teppichen, Möbeln und weiteren Gebrauchsgegenständen genutzt werden. Es war interessant zu sehen, wie groß das Interesse an dieser einfachen und lokal verfügbaren Ressource war.

Zwischendurch unterstützte ich meinen Freund und Mitfreiwilligen Radik bei der Arbeit im Computerlabor. Gemeinsam versuchten wir erneut, die Computer durch das Zurücksetzen der Betriebssysteme wieder funktionsfähig zu machen. Leider blieben die Ergebnisse hinter unseren Erwartungen zurück, da die technischen Probleme tiefergehend waren als zunächst angenommen.

Neben der Arbeit ergaben sich auch immer wieder Gelegenheiten, die Umgebung weiter kennenzulernen.


Zwischen Wanderungen in den Bergen und Besuchen in Maseru entwickelte sich bei mir die Idee, ein Bienenprojekt im Malealea Valley aufzubauen. Die Inspiration dafür stammt aus meiner Familie.


Mein Großvater ist seit vielen Jahrzehnten Imker und hat mir über die Jahre viel Wissen über Bienenhaltung vermittelt.
Nach mehreren Gesprächen mit ihm entschied ich mich, das Projekt weiterzuverfolgen. Daraufhin nahm ich Kontakt zu einem Anbieter auf, der Bienenstöcke und die notwendige Ausrüstung bereitstellt. Ziel ist es, in naher Zukunft die ersten Anschaffungen zu tätigen und die Umsetzbarkeit des Projekts vor Ort zu prüfen.
Parallel dazu half ich weiterhin bei der Verarbeitung von Agavenblättern, deren Fasern später als Füllmaterial für die Eco Cookbags von Africa’s Gift verwendet werden. Es motiviert mich zu sehen, dass aus einer ursprünglich kleinen Idee inzwischen ein konkreter Beitrag für ein bestehendes Projekt geworden ist.
Besonders gefreut hat uns der Besuch von Peter, mit dem wir gemeinsam das BBCDC in Bethel besuchten. Die Einrichtung wirkte wie eine kleine Oase inmitten des trockenen Valleys.

Dort lernten wir Ivan kennen, der seit über vierzig Jahren zahlreiche Schulen, Ausbildungsstätten, Hochbeete und Permakulturprojekte aufgebaut hat. Die Begegnung mit jemandem, der über einen so langen Zeitraum nachhaltige Entwicklungsarbeit geleistet hat, war beeindruckend und inspirierend.

Zum Ende des Monats hielten Ken Dunn und ich einen weiteren Workshop zum Thema Agavenfasern. Dabei lag der Fokus darauf, die Gemeinschaft dafür zu sensibilisieren, die Fasern selbst zu extrahieren und dadurch eine zusätzliche Einkommensquelle zu schaffen.

Im Alltag fühle ich mich inzwischen deutlich sicherer und selbstständiger als noch zu Beginn meines Freiwilligendienstes. Viele Abläufe, die anfangs ungewohnt waren, gehören mittlerweile zur Routine. Sie fordern zwar weiterhin Anpassungsfähigkeit, allerdings erscheinen sie mir inzwischen ganz normal.

Auch die Beziehungen zu den Menschen vor Ort haben sich weiter vertieft.


Besonders wichtig war mir der regelmäßige Austausch mit dem MDT und Projektleiter Khotso. Durch die enge Zusammenarbeit ist über die vergangenen Monate ein vertrauensvolles Verhältnis entstanden. Seine Unterstützung und sein ehrliches Interesse an unseren Projekten haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich im Valley zunehmend zuhause fühle.




Insgesamt fühle ich mich inzwischen nicht mehr nur als Gast im Malealea Valley, sondern zunehmend als Teil der Gemeinschaft. Die vergangenen Monate haben mein Selbstvertrauen gestärkt und mir gezeigt, wie viel Verantwortung man übernehmen kann, wenn man bereit ist, sich auf neue Situationen einzulassen. Ich freue mich darauf, die begonnenen Projekte in den kommenden Monaten weiterzuentwickeln und weitere Erfahrungen zu sammeln.


Rückblickend war dieser Monat für mich ein wichtiger Schritt hin zu mehr Eigenständigkeit. Besonders stolz bin ich darauf, eigene Ideen nicht nur zu entwickeln, sondern erste konkrete Schritte zu ihrer Umsetzung einzuleiten. Die Workshops, das Agavenprojekt und die Planungen für das Bienenprojekt haben mir gezeigt, dass auch kleine Initiativen Potenzial haben können, einen nachhaltigen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

Gleichzeitig habe ich gelernt, dass erfolgreiche Projektarbeit Geduld erfordert. Nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen, und nicht jede technische oder organisatorische Herausforderung kann direkt gelöst werden. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sich Ausdauer und Eigeninitiative auszahlen.




